Achtsamkeitsyoga und Meditation …

im Künstlerhof Bunterkunt Obersetzen
Samstag, 13. Oktober und 24. November 2018, 10.00 bis 12.00 Uhr

Herunterkommen, Ankommen, das Leben neu entdecken

Mit den Übungen des Yoga kannst du dich wieder entdecken, deinen Körper spüren, jeden Atemzug wahrnehmen. Dabei kommt es nicht darauf an, die Übung perfekt zu machen, sondern sie zu spüren und so deine Achtsamkeit zu sammeln. Das führt dich einfach und schnell in die Meditation und es kann ganz natürlich wieder innere Ruhe entstehen.

Die Yogaübungen basieren auf dem Yoga Vidya Stil, die Meditation ist ausgerichtet an der Buddhistischen Achtsamkeitsmeditation. Vorkenntnisse in Yoga oder Meditation sind nicht erforderlich. Die Intensität der Übungen und Länge der Meditationszeiten richtet sich nach den Bedürfnissen der Teilnehmer.

Yogamatte, Decke und falls vorhanden Sitzkissen mitbringen.
Leitung: Ambika Angelika Lehmkühler
Zum Ausgleich für die Yogastunde freuen sich die Yogalehrerin und die Frauen vom Künstlerhof über eine Spende.

Bitte Anmelden bei ambayoga!

Veranstaltungsort:
Künstlerhof Bunterkunt
57078 Siegen- Obersetzen
Buschhütter Str. 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Leben ist eine Waschmaschine …

… und manchmal schleudert es uns ganz schön herum. Dann fühlen wir uns wie das Handtuch, das im Schleudergang an die Trommelwand gedrückt wurde:  ausgepresst.

Dann hoffen wir auf das nächste Wochenende, den Urlaub oder den Mann/Frau des Lebens oder einen Lottogewinn damit alles besser wird. Das wird es dann manchmal auch und wenn das Wochenende/Urlaub vorüber ist, der Mann/Frau doch wieder weg, das Geld verprasst, dann geht es wieder los mit dem Schleudergang.

Spätestens dann sollten wir mal was anderes probieren. Wir könnten uns klarmachen, dass wir selber die Waschmaschine sind. Das Leben, das ist einfach die Wäsche, die es zu waschen gilt. Und die kluge Hausfrau weiß, es gibt immer Wäsche. Man kann zwar einiges vermeiden, z.B. mit dem blütenreinen Hemd die Autoreifen zu wechseln, Erdbeeren zu ernten oder Spaghetti mit Tomatensauce zu essen, aber irgendwann werden wir eben wieder dreckig, wenn wir wirklich leben wollen. Keiner will doch als Kleiderständer durch die Welt laufen, von einigen Supermodells abgesehen, dann lieber Tomatensauce inklusive Flecken.

Leben ist also Wäschewaschen, wir sind die Waschmaschine und müssen eigentlich nur das richtige Programm einlegen, dann läuft es schon. Nur unsere Programme, das sind Sorge und Ärger und Wut und  Trübsinn.

Mit Sorge kann man gut Wäsche waschen, da steckt ja auch das Sorgen, das Kümmern drin. Eigentlich ein gutes Waschprogramm, sich um andere kümmern, um sich selbst kümmern. Wenn nur nicht das sich Sorgen machen wäre. Das ist dann so, als würde man die Waschmaschine im Leerlauf waschen lassen, also ohne Wäsche drin und das ist doch nicht sehr klug. Wenn wir nachts im Bett liegen und uns Sorgen machen, um Dinge, die vielleicht morgen geschehen könnten, dann ist das im Leerlauf waschen. Die Sorgen von morgen können wir heute noch nicht waschen.

Ärger und Wut hören sich nicht nach einem guten Programm an, aber sie sind wertvoll. Wenn wir uns nie über was ärgern, dann können wir auch nie etwas verändern. Der Ärger ist die Kraft auch mal den Schleudergang einzulegen und alles auf den Kopf zu stellen. Die Wut, das sind dann vielleicht ein paar Umdrehungen zu viel. Die Wollwäsche kann 1.400 Touren nicht vertragen, dann ist sie Filz hinterher. Also nicht zu heftig schleudern.

Und der Trübsinn, der hat auch sein Gutes. Manchmal müssen wir die Wäsche erst mal einweichen lassen, mal ein bisschen in der Lauge liegen lassen. Man kann ja auch ein Wellnessprogramm daraus machen. Aber dann geht es wieder weiter mit spülen und schleudern, nur vielleicht im Schonwaschgang.

Und wie legen wir nun das richtige Waschprogramm ein? Meistens sind wir ja ziemlich festgefahren und nehmen automatisch immer dasselbe Programm, Wäsche hin oder her. Da hilft nur Aufmerksamkeit, Achtsamkeit sagen die Buddhisten. Das kann man gut in der Meditation einüben. Erst mal Wäsche sortieren, also anschauen, was da so ankommt. Dann können wir manchmal dabei zuschauen, wie wir automatisch den höchsten Schleudergang einnehmen. Das ist wie vor dem Bullauge der Waschmaschine sitzen und zugucken, wie unsere Gedanken immer wieder dieselbe Wäsche herumwirbeln und wieder und wieder und ganz schön langweilig, eigentlich. Irgendwann hört das Herumgeschleudere schließlich von selber auf. Auf den Programmwahlknopf drücken wäre ja ganz schön und ginge schneller, nur leider sind wir keine Maschinen und unser Geist kommt nicht auf Knopfdruck zur Ruhe. Aber wir haben ja die Achtsamkeit. Lenke sie auf ein anderes Programm. Fang einfach mit der Wahrnehmung des Atems an. Einatmen, ausatmen, vielleicht die Atemzüge zählen und wenn sich doch wieder das andere Programm einschaltet, auf ein Neues: Ein – aus, eins, zwei, drei ….

Dann bist du im Meditationsprogramm und hinterher macht Wäsche waschen wieder Spaß.

„Morgen mache ich den Yogakurs …

… wenn noch ein Platz im Kurs frei ist. Aber nicht mittwochs, da bin ich im Chor und donnerstags hat die Tochter Ballett und montags mein Mann sein Basketballtraining. Dienstag ist gut, aber nicht so spät, wenn ich erst zu Hause auf dem Sofa sitze, dann kann ich mich auch nicht mehr aufraffen, das weiß ich genau und nicht zu früh, sonst schaffe ich es nicht vom Büro. Und eine Yogamatte muss ich mir noch kaufen und eine Hose, da gibt es doch so tolle ….“

Diese Aufschieberitis, das kennt man von sich selbst, von der Freundin, den Kollegen. Das ist halt so, menschlich eben. Wenn es ganz schlimm wird, dann nennen es die Psychologen „Prokrastination“, klingt wie eine Krankheit und kann auch eine sein. Aber meist ist ja nicht sooo schlimm. Meistens sind die Gründe ja alle wichtig und richtig! Als Yogalehrerin erfahre ich diese wichtigen Gründe mehrfach täglich. Und manchmal erscheint es fast wie ein Wunder, dass die Kurse sich füllen und dann alle auf der Matte liegen. Wow!
Die Yogameister kannten das natürlich auch und manchmal waren sie dann gar nicht einfühlsam, sondern ganz schön direkt. Von Swami Vishnu-devananda, einem außergewöhnlichen Yogameister, der 1957 in den Westen kam, berichten sein Schüler, dass er oft die Anweisung gab: „DIN“. Was nichts mit der „Deutschen Industrie Norm“ zu tun hat, sondern es steht für „Do It Now“- „Tu es jetzt“. Und Swami Vishnu muss zudem ein außergewöhnlich ungeduldiger Meister gewesen sein, eine andere Anweisung hieß: „DIY“, „Do It Yesterday“ – „Tu es gestern“, so dass seine Schüler lieber vermieden zu fragen, wann etwas fertig werden sollte. Wenn etwas „gestern“ fertig werden soll, ist das nicht die einfachste Zeitvorgabe.

Die Aufschieberitis muss schon vor circa 2.000 Jahren bekannt gewesen sein, denn einer der klassischen und im Westen bekanntesten Yogatexte beginnt: „Atha yoganushasanam“ – „ Jetzt wird Yoga erklärt“. Jetzt – „atha“, nicht irgendwann! So beginnt das Yoga Sutra, der Leitfaden des Yoga. Geschrieben von Patanjali, von dem man sonst eigentlich nichts weiß außer, dass er zwischen 600 Jahre vor bis 200 Jahre nach Beginn unserer Zeitrechnung gelebt haben muss. Was die Yogaschüler wohl damals als ganz, ganz wichtigen Grund anführten, wenn sie mal wieder nicht kommen konnten? Zurück zu Swami Vishnu-devananda. Der hatte noch einen Spruch: „MYOB“ – „Mind Your Own Business“ – „Kümmer dich um deinen Kram.“ OK, dass mach ich dann jetzt mal. Ich schnapp mir noch mal das Yoga Sutra, das kann man mehr als einmal lesen und zwar atha – jetzt!

Der Buch zum Yoga Sutra von Sukadev Bretz, dem Gründer von Yoga Vidya, ist wirklich gut zu lesen. Orientiert sich am Originaltext , ist aber ganz lebenspraktisch erklärt und Sukadev schildert viele Beispiele aus seinem Leben mit Swami Vishnu-devananda, dessen Schüler er zwölf Jahre lang war.
Sukadev Volker Bretz: „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“, Verlag Via Nova.

Mehr zu Swami Vishnu-devananda erfährt man aus dem Buch „ Der Yogi“. Eine Sammlung von Erlebnissen seiner Schüler mit ihm. Gopala Krishna: „Der Yogi. Portraits von Swami Vishnu-devananda“, Yoga Vidya Verlag.